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Pflanzen des Jahres 2026

  • Autorenbild: Bio Heilkräutergarten
    Bio Heilkräutergarten
  • 1. Feb.
  • 6 Min. Lesezeit

Jedes Jahr wählen Expert:innen aus dem österreichischen Naturschutz eine Auswahl besonders bedeutender Pflanzen, Tiere, Pilze und anderer Natur-Vertreter aus — mit dem Ziel, ihre ökologische Rolle, ihren Erhaltungszustand und oft auch ihre Gefährdung ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Die Auswahl erfolgt durch Fachgremien wie Flora Austria, Universität Wien und den Naturschutzbund, die auf wissenschaftlicher Grundlage das Vorkommen, die Bedrohungslage und die ökologische Bedeutung der Arten beurteilen. Diese Aktion soll Menschen verbinden, mit der Vielfalt unserer heimischen Natur und dem Handlungsdruck, sie zu schützen und zu erhalten. Die Heilpflanze, die Arzneipflanze, die Blume und den Baum des Jahres, stelle ich nun genauer vor.



Heilpflanze des Jahres - die Nachtkerze (Oenothera biennis)

Die Gemeine Nachtkerze ist eine ursprünglich aus Nordamerika stammende, heute in Europa weit verbreitete, meist zweijährige Pflanze aus der Familie der Nachtkerzengewächse. Sie besiedelt bevorzugt trockene, sandige oder schottrige Standorte wie Böschungen, Brachflächen und Wegränder. Charakteristisch sind ihre großen gelben Blüten, die sich erst in den Abendstunden öffnen und vor allem von Nachtfaltern bestäubt werden. Die Samen enthalten ein fettes Öl mit einem hohen Anteil an Gamma-Linolensäure, einer mehrfach ungesättigten Fettsäure mit pharmakologischer Bedeutung.

Medizinisch genutzt wird vor allem das Nachtkerzenöl, das entzündungsmodulierende Eigenschaften zeigt und wissenschaftlich vor allem bei atopischer Dermatitis (Neurodermitis), trockener Haut und bestimmten hormonell beeinflussten Beschwerden untersucht wurde. Die Pflanze verbindet traditionelle Heilpflanzenkunde mit moderner Phytotherapie.

Zur Heilpflanze des Jahres 2026 wurde die Nachtkerze gewählt, weil sie eine gut dokumentierte Arzneipflanze mit klar definierbaren Wirkstoffen ist, vielseitig einsetzbar bleibt und zugleich ein Beispiel dafür darstellt, wie eingewanderte Arten medizinische Bedeutung erlangen können. Zudem lenkt die Auszeichnung Aufmerksamkeit auf pflanzliche Fettsäuren als therapeutisch relevante Naturstoffe.

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Nachtkerze ist ihre ökologische und ernährungsphysiologische Bedeutung. Ihre abendliche Blütenöffnung ist eine spezialisierte Anpassung an nachtaktive Bestäuber wie Schwärmerfalter, die durch Duft und hell reflektierende Blütenblätter angelockt werden. Die Pflanze produziert große Mengen an Samen und kann als Pionierart offene Bodenstellen rasch besiedeln, wodurch sie zur Bodenstabilisierung beiträgt.

Neben der medizinischen Nutzung ist sie auch essbar: Wurzeln, junge Blätter und Samen wurden traditionell als Nahrungsmittel verwendet. Außerdem sei noch wichtig zu erwähnen, dass Nachtkerzenöl zwar gut verträglich ist, therapeutische Anwendungen jedoch qualitätsgeprüfte Präparate und bei bestehenden Erkrankungen, fachliche Rücksprache voraussetzen.



Arzneipflanze des Jahres - der Hopfen (Humulus lupulus)

Der Echte Hopfen gehört zur Familie der Hanfgewächse und ist eine mehrjährige, stark rankende Kletterpflanze. Besonders genutzt werden die weiblichen Blütenstände — die sogenannten Hopfenzapfen oder Hopfendolden —, die reich an bitteren α- und β-Säuren (z. B. Humulone und Lupulone), ätherischen Ölen, Flavonoiden und Polyphenolen sind. Diese sekundären Pflanzenstoffe sind biochemisch aktiv und bestimmen viele der pharmakologischen Eigenschaften von Hopfen.

Hopfen spielt in der Phytotherapie eine etablierte Rolle, vor allem bei Nervosität, Unruhezuständen und Schlafstörungen. Seine Bitterstoffe und ätherischen Öle wirken beruhigend auf das zentrale Nerven-system und können die Einschlafzeit verkürzen oder die Schlafqualität verbessern, insbesondere in Kombination mit anderen beruhigenden Heilpflanzen wie Baldrian oder Melisse.

Darüber hinaus zeigen moderne pharmakologische Untersuchungen, dass bestimmte Hopfen Phyto-chemikalien antioxidative, antientzündliche und antimikrobielle Eigenschaften besitzen. Der Flavonoid-Typ Xanthohumol wird aktuell intensiv erforscht, weil er in Modellstudien antiproliferative Effekte auf Tumorzellen zeigt und mehrere zelluläre Signalwege beeinflusst, die für Entzündungen und Zellteilung relevant sind.

Hopfen wird nicht nur als Heilpflanze, sondern auch historisch als Nahrungs- und Genussmittel genutzt. Seine jungen Triebe sind essbar und können als Gemüse zubereitet werden. Die Hopfendolden werden schon lange in Bier eingesetzt, wo sie durch ihre Bitterstoffe die Verdauung anregen und die Darm-motorik stimulieren können. Bittere Phytochemikalien wie in Hopfen können auch Gallensaft und Verdauungsenzyme anregen, was Unterstützung für eine gesunde Verdauung bedeutet. Mehrere Studien deuten darüber hinaus darauf hin, dass Hopfenextrakte appetithemmend wirken und möglicherweise in Kombination mit Lebensstilmaßnahmen positive Effekte im Stoffwechsel zeigen können. Ökologisch ist Hopfen eine interessante Pionierpflanze für strukturreiche Lebensräume:

Als windbestäubte Kletterpflanze schafft sie vertikale Vegetationsschichten entlang von Hecken, Knicks und Strukturen. Sie bietet Insekten Lebensraum und Nahrung.

Hopfen bindet Boden und trägt zur Erhaltung von Biodiversität am Feld- und Wegesrand bei.

Zudem ist Hopfen eine kulturgeschichtlich bedeutende Pflanze. Sie ist eine der ersten domestizierten Arznei- und Gewürzpflanzen Europas.

Hopfen wurde 2026 ausgezeichnet, weil er wissenschaftlich gut erforscht ist mit belegten beruhigenden und funktionell gesundheitsfördernden Eigenschaften.

Seine stofflichen Komponenten wie Bitterstoffe, Polyphenole und ätherische Öle, besitzen nachgewiesene pharmakologische Aktivitäten und sind Grundlage zahlreicher pflanzlicher Arzneimittel.

Hopfen zeigt, wie traditionelle Heilpflanzen mit modernen wissenschaftlichen Methoden neu bewertet und therapeutisch sinnvoll eingesetzt werden können. Etwa für Schlaf-, Stress- und Verdauungs-probleme. Diese Kombination aus Tradition, neuer Forschung und praktischer Anwendbarkeit macht ihn zu einer idealen Wahl als Arzneipflanze des Jahres.



Blume des Jahres - die Wiesen Glockenblume (Campanula patula)

Botanisch betrachtet ist die Wiesenglockenblume eine zwei- bis ausdauernde Pflanze die zur Familie der Glockenblumengewächse gehört. Meist erreicht sie eine Höhe von etwa 30 bis 60 Zentimetern. Ihr bevorzugter Lebensraum sind nährstoffreiche Wiesen, Niedermoorwiesen und stellenweise auch magere Grünflächen oder schottrige Ruderalstandorte. Im pannonischen Raum findet man sie zusätzlich an lichten, warmen Stellen trockener Eichenmischwälder. Der Blütenstand verzweigt sich locker und weit ausgreifend. Die Kronblätter sind bis etwa zur Hälfte verwachsen und öffnen sich in ausgebreitete Zipfel. Ihre Hauptblütezeit liegt zwischen Mai und Juli — eine Phase, in der viele Bestäuber unterwegs sind.

Die Blüten der Glockenblumen folgen einem klaren biologischen Rhythmus: Sie sind vormännlich (protandrisch). Das bedeutet, dass zunächst die Staubblätter reifen, bevor die weiblichen Blütenteile empfängnisbereit sind. Schon im Knospenstadium wird der Pollen auf den bürstenartig behaarten Griffel übertragen. Diese sogenannte Griffelbürste speichert den Blütenstaub und gibt ihn später kontrolliert frei, wenn sich die Blüte öffnet. Fachlich spricht man hier von sekundärer Pollenpräsentation — der Pollen wird nicht direkt von den Staubbeuteln angeboten, sondern über den Griffel präsentiert. Für Insekten dient dieser wie eine strukturierte Lande- und Kletterfläche. Hauptbestäuber sind Bienen und Hummeln.

Nach der Bestäubung reifen von August bis Oktober halbkugelige Kapselfrüchte. Sie besitzen drei kleine Öffnungen oberhalb ihrer Mitte. Durch Windbewegung oder Tierkontakt werden die Samen herausge-schüttelt. Aufgrund ihres geringen Gewichts können sie zusätzlich als sogenannte Körnchenflieger über Luftströmungen verbreitet werden.

Trotz ihrer feinen Präsenz in der Kulturlandschaft steht die Wiesen-Glockenblume heute unter deutlichem Druck. Besonders in intensiv bewirtschafteten, stark gedüngten Mehrschnittwiesen des nördlichen Alpenvorlands ist sie vielerorts verschwunden. Nährstoffanreicherung und häufige Mahd verdrängen konkurrenzschwächere Wiesenarten.

Bei früheren Bewertungen für regionale Rote Listen wurde eine Vorwarnstufe zwar diskutiert, aber aufgrund damals noch größerer Bestände nicht umgesetzt. Aus heutiger Sicht gilt eine Vorwarnung jedoch für alle Naturräume als fachlich gerechtfertigt. Setzt sich der Rückgang fort, ist eine Einstufung als gefährdete Art in naher Zukunft wahrscheinlich. Die Unterart jahorinae wird im Alpenraum derzeit als ungefährdet betrachtet, gilt jedoch in der Böhmischen Masse und im nördlichen Vorland als gefährdet. Für das südöstliche Vorland und das pannonische Gebiet liegen bislang keine gesicherten Nachweise dieser Unterart vor.



Baum des Jahres - die europäische Lärche (Larix decidua)

Die Wahl der europäischen Lärche zum Baum des Jahres 2026 würdigt sie als ökologisch bedeutende und kulturhistorisch verankerte Art, die in einer sich wandelnden Umwelt potenziell an Bedeutung gewinnt. Sie vereint mehrere wichtige Eigenschaften:

Ökologische Stabilität: Ihre Fähigkeit, mit extremen Temperatur‑ und Wetterbedingungen umzugehen, macht sie im Kontext des Klimawandels zu einem Baum mit Zukunft.

Schutzfunktion: In Schutzwäldern übernimmt sie eine unverzichtbare Rolle zur Verhinderung von Lawinen, Muren und Hangrutschungen.

Forstwirtschaftliche Bedeutung: Ihr Holz ist regional und historisch eine wertvolle Ressource in Bau und Handwerk.

Landschaftliche Identität: Mit ihren wechselnden Nadelfarben und langen Lebenszeiten von mehreren Jahrhunderten prägt sie das alpine Landschaftsbild und verbindet kulturelle Tradition mit biologischer Vielfalt. Diese Kombination aus ökologischer Funktion, kultureller Bedeutung und klimaökologischem Potenzial macht sie zu einem herausragenden Repräsentanten der heimischen Waldarten.

Die Lärche gehört zur Familie der Kieferngewächse und ist eine charakteristische Baumart der montanen und subalpinen Wälder Europas. Sie ist in weiten Teilen der Alpen, der Karpaten und den mittelgebirgigen Regionen heimisch und zeichnet sich durch ihre besondere Anpassungsfähigkeit an extreme Standorte aus. Als einziger heimischer Nadelbaum wirft die Lärche im Herbst ihre Nadeln vollständig ab, ein ungewöhnlicher Mechanismus unter Koniferen, der physiologisch der Verringerung von Wasserverlusten dient und zum typischen finalen Goldgelb des Herbstwaldes beiträgt. 

Während die Lärche nicht primär als traditionelle Heil‑ oder Nahrungspflanze gilt, sind Teile ihres Ökosystems ernährungsökologisch bedeutend:

Samen: Die gehaltvollen Lärchensamen dienen vielen Vogelarten als wichtige Futterquelle, besonders im Herbst und Winter.

Holzprodukte: Lärchenholz ist aufgrund des hohen Harzgehalts und seiner natürlichen Dauerhaftigkeit hervorragend für den Außenbereich und konstruktiven Holzbau geeignet — von Fassaden über Brücken bis Wasserbau. Durch diese vielfältige Nutzung nimmt die Lärche auch im nachhaltigen Bauwesen und in traditionellen Kulturlandschaften eine wichtige Rolle ein. 

Nadeln: Die jungen Nadeln sind kulinarisch in der Küche der Menschen durchaus interessant.

Blüten/Zapfen: Die noch rosa farbenen weiblichen Blüten (aufrecht am Ast stehend), kann man wunderbar mit Schokolade überziehen und genießen.

Kätzchen: Die männlichen Blüten sind gelblich bis rötlich-braun und sitzen in lockeren Kätzchen am Zweigunterteil der neuen Triebe. Sie produzieren den Pollen. In der Volksmedizin wurden Lärchen-kätzchen früher als mildes Tonikum oder blutreinigendes Mittel genutzt. Sie können für Frühjahr-saufgüsse/Tees verwendet werden, die anregend und leicht harntreibend wirken.


Vielleicht liebe Leserin, lieber Leser, entdeckst du die ausgewählten Pflanzen des Jahres ja bei uns im Heilkräutergarten oder bei deinen Spaziergängen und kannst sie jetzt mit etwas anderen Augen wahr-nehmen.



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